Mit der eigenen Persönlichkeit punkten und vom Markt als Marke wahrgenommen werden

Wie man das Ego bei der Arbeitssuche ins Spiel bringen kann

Deutschland leidet unter fünf Millionen Arbeitslosen. Und dies ist noch konservativ geschätzt. Zwar sind vor allem gering qualifizierte Bewerber von dem Phänomen betroffen, aber auch gut ausgebildete Akademiker haben immer größere Schwierigkeiten, einen geeigneten oder überhaupt einen Job zu finden. Harry Holzheu, Unternehmensberater für Führungskommunikation in Zürich http://www.holzheu.ch , geht im Karriereteil der Welt http://www.welt.de der Frage nach, mit welchen Strategien auf diese missliche Lage reagiert werden kann. Das Credo des Schweizer Beraters: Jeder Arbeitsplatzsuchende sollte sein Ego als Marke aufbauen.

Im Showgeschäft findet man ohne Probleme Beispiele für erfolgreiche Selbstvermarktung. Verona Feldbusch, Dieter Bohlen oder Harald Schmidt haben – egal, was man von ihnen hält – ein unverwechselbares Profil. Wirtschaftsführer wie Jürgen Dormann oder Unternehmensberater wie Roland Berger sind ebenfalls zu "Marken" geworden. Josef Ackermann von der Deutschen Bank erlebt zurzeit schmerzhaft, welche negativen Folgen unglückliche Selbstdarstellung zeitigen kann. Doch auch jeder "normale" Jobsuchende, der keine Karriere im Showbiz oder als großer Wirtschaftslenker anstrebt, könne das eigene Ich vermarkten, so Holzheu, der sich gern als "Mutmacher aus der Schweiz" titulieren lässt. Jedes Bewerbungsverfahren belege seine These. Wenn von vielleicht 200 Kandidaten für einen Arbeitsplatz letztlich 20 übrig bleiben, die zumeist über eine ähnliche Qualifikation verfügen, entscheide die Persönlichkeit.

"Polieren Sie nicht allzu sehr an sich herum, sonst glänzen Sie nur noch, und man sieht nicht mehr, was für eine Münze Sie sind!" lautet ein Rat von Holzheu. Eine Münze müsse prägen, so wie eine starke Persönlichkeit unverwechselbare Spuren hinterlasse. Holzheu proklamiert Authentizität, Klarheit, Konsistenz und Kontinuität als Erfolgsfaktoren von Persönlichkeitsmarken. Personal Branding – so Holzheus Überzeugung – sei "eine echte Chance zur Profilierung in einer zunehmend harten Leistungsgesellschaft". Ein Patentrezept kann der Berater selbstverständlich nicht geben. Jeder muss selbst feststellen, welche Eigenschaften ihn unverwechselbar machen. Manchmal hilft auch das Feedback, das man von anderen Menschen bekommt. Holzheu wählt ein einfaches Beispiel, um seine These zu illustrieren. Heute ist es üblich, dass jeder Redner mit vielen farbigen Folien um sich wirft oder aufwendige Powerpoint-Präsentationen wählt. Die logische Folge: Die Technik lenkt so stark vom Vortragenden ab, dass er gar nicht mehr als Person wahrgenommen wird. Oder der Redner klebt selbst viel zu stark an seinen bunten Grafiken und Textbausteinen, dass er sowohl das Publikum als auch die gelungene Eigenpräsentation aus dem Auge verliert.

"Jede Marke, ob es sich nun um ein Produkt oder eine Person handelt, braucht einen Kern, der klar und authentisch bei einem Kunden oder in einem Bewerbungsprozess ‚rüberkommt‘. Dies gelingt vielfach nur denjenigen, die über sehr viel Selbstbewusstsein, Erfahrung oder eine spezielle Kompetenz verfügen, aus denen das Selbstvertrauen erwächst. Der Mangel an solchen Voraussetzungen führt in der Praxis gerade dazu, dass die Persönlichkeit hinter Powerpointfolien versteckt wird", bestätigt auch Michael Sander, Geschäftsführer des Beratungshauses TCP Terra Consulting Partners GmbH http://www.terraconsult.de in Lindau am Bodensee.

Und Sander hat auch eine Art "Trick" parat: Er rät, bei Vorstandsvorlagen oder Vertriebspräsentation einmal im Nachhinein alle nicht nötigen Effekte, Bilder oder graphischen Gimmicks zu entfernen. Plötzlich erkenne man, wie inhaltlich dünn eine solche Vorlage schwarz auf weiß wird. Das gleiche geschehe, wenn man hinter die Effekthaschenden Facetten eines Redners oder Bewerbers schaue. Sander wörtlich: "Die Lösung für dieses Problem kennen wir schon seit ungefähr 200 vor Christus, nachzulesen bei Cato dem Älteren: Begreife die Sache und die Worte werden folgen. Das heißt nichts anderes, als dass man Ahnung von etwas haben muss, um sich und seine Informationen klar und authentisch zu vermitteln. Dies wiederum setzt in aller Regel eine hervorragende akademische Bildung oder ausgezeichnete praktische Erfahrung voraus. Insofern ist das beste Training für ein Ego, das vom Markt als Marke wahrgenommen werden soll, die eigene Bildung."

Quelle und freundliche Genehmigung:  NeueNachricht www.ne-na.de



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